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100 Meilen im Taubertal

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100 Meilen im Taubertal

„Taubertal 100“ – 2018 oder: als ich zum dritten Mal Ritter wurde

Am 06.10.2018 war es wieder soweit: Hubert(us) Beck hatte zum 5. Taubertal 100 geladen und bereits bei den Anmeldezahlen zeichnete sich ein Teilnahmerekord ab. Letztlich erreichten insgesamt 241 Sportler ohne die geringsten Zwischenfälle ihre gewählten Ziele. Vier Strecken standen zur Wahl: 50 – 71 – 100 km und in der zweiten Auflage die 100 Meilen. Es sollte sich bestätigen, dass der Taubertal 100 nicht nur einer der schönsten, sondern auch einer der schnellsten Ultramarathons der Welt ist.

Bestätigt wurde dies über die 161 km von Rothenburg nach Gemünden durch die sensationelle Laufzeit von Nele Alder-Baerens (Vizeweltmeisterin im 100-km-Lauf), die nach 13:35:31 h die Ziellinie überquerte. Damit verbesserte sie den seit 15 Jahren bestehenden deutschen Rekord (Sigrid Lomsky 15:02:30 h) um 1:27 h und hält jetzt die zweitbeste 100 Meilen-Laufzeit der Welt bei den Frauen.

Vor einem Jahr hätte Neles Zeit noch den Weltrekord bedeutet, der von Ann Trason mit 13:47 h über 25 Jahre gehalten wurde, jedoch von Camille Haron 2017 auf 12:42h verbessert wurde. Tracy Dean aus England, die vor dem Lauf mit ähnlichem Leistungsniveau wie Nele angekündigt wurde, finishte in 14:37:47 h als Zweite und verbesserte damit den seit 15 Jahren bestehenden englischen Rekord von Eleanor Adams-Robinson um sechs Minuten.

Die Siegerzeiten der weiteren Distanzen sind ebenfalls respektabel.

Die 50 km von Rothenburg nach Bad Mergentheim (37 Teilnehmer von 40 gestarteten) gewannen Lora Reitblat in 4:44:48 h und Jacek Bedkowski in 3:27:14 h. Bei den 55 (59 gestartet) Teilnehmern über die 71 km von Rothenburg nach Tauberbischofsheim siegten Andrea Schadewell in 6:11:35 h und Jan-Albert Lantink in 5:00:46 h.

Die Strecke von Rothenburg nach Wertheim nahmen 129 Teilnehmer unter die Sohlen (gewertet 120) und im Ziel glänzten Miriam Kudermann mit 9:21:55 h sowie Markus Küng in 8:08:40 h. Zuletzt im Ziel nach 100 Meilen (161 km) mit einem Cut-Off von 26 Stunden waren 27 Teilnehmer (angetreten 28). Bereits genannt die Siegerin Nele Alder-Baerens in gigantischen 13:35:31 h, bei den Herren dominierte Marcus Creyer in 17:55:26h.

Den Hut ziehen muss man unbedingt auch vor dem mit 73 Jahren ältesten Starter über diese Distanz: Wolfgang Röther überquerte die Ziellinie am Marktplatz in Gemünden nach 25:40 Stunden.

Wie in jedem Jahr wurde um 05:20 h mit einem Fackellauf durch die Altstadt von Rothenburg begonnen, die Läufer anschließend im Burggarten von einem Ritter als Botenläufer mit dem Überbringen einer Nachricht in die jeweiligen Zielorte beauftragt. Diejenigen, welche die Ziele 100 km in Wertheim oder 161 km in Gemünden erreichten, erhielten dort zur Entlohnung von einem weiteren Ritter, begleitet von einem gar lieblichen Burgfräulein, welches ein mit Bier gefülltes Horn sowie Medaille (und Gürtelschnalle beim 100 Meilen Lauf) kredenzte, zum Ritter von Rothenburg geschlagen.

Auch das Wetter spielte dieses Mal mit (laut Hubert gibt es diese Wetterlage nur alle fünf Jahre), es war trocken, leicht bewölkt und nicht zu warm. Für die Nachtläufer nach Gemünden wurde es trotz Sternenhimmels nicht zu kalt und auch die mystischen Nebelschwaden entlang des Mains traten nur lokal auf. Highlights der Strecke waren u.a. das (sonst nicht gestattete) Durchlaufen des Schlossgeländes von Weikersheim und die Fanfarenbläser auf den Burgen von Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim und Gamburg.

Meine persönlichen Glanzpunkte waren meine Frau Birgit und meine Tochter Karina, die mich in Tauberbischofsheim, Wertheim und an jedem der weiteren Verpflegungspunkte in Empfang nahmen und somit jedes der Etappenziele gefühlt wie im Flug erreichen ließen. Apropos „Flug“: die Radbegleitung kurz vor Lohr am Main bis zur dortigen Verpflegung und aus dem Stadtgebiet hinaus ließ mich kurzfristig jede Anstrengung vergessen und sorgte für eine Pace, die ich weder vorher nach nachher länger durchgehalten hätte, mich jedoch drei tapfere Mitkämpfer einsammeln und überholen ließ.

Kurzum: herausragend waren wieder Organisation und Logistik, die Helfer an den insgesamt 24 Verpflegungsstationen unermüdlich um das Wohl der Läufer bemüht, überaus freundlich und taten alles, um für die nächsten Kilometer zu motivieren.

Vom SV Schwindegg war ich diesmal allein am Start und konnte mich letztlich über einen für mich tollen und eindrucksvollen Lauf, beendet in 20:22 h mit Rang 5 (M) und Platz 1 in der AK 60, freuen. Die Erinnerungen an diesen Punkt-zu-Punkt Landschaftslauf machen stolz und demütig, sie werden nachhaltig wirken. Obwohl, ganz allein war ich doch nicht. Insbesondere auf der Strecke ab Wertheim, mit einbrechender Dunkelheit, war ich oft im Zwiegespräch mit meinem Freund und Schwindegger Vereinskumpel Johann „Hans“ Sextl, der schwer erkrankt ist. „Hans, der Lauf hätte Dir gefallen, wir hätten uns wieder über lange Kilometer unterhalten und vermutlich die Strecke vergessen, wie das schon bei der Ulmer Laufnacht oder vor zwei Jahren im Taubertal der Fall war. Die letzten 61 Kilometerwaren Deine!

Werd wieder fit, alter Kämpfer!!!!

Im Ziel stand ein, auch zu dieser „frühen“ Stunde noch strahlender Hubert Beck und mir war, als hätte er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Strecke jetzt wieder zurück zu laufen, was ich im Ansatz wohl verneinte.

      

Auf meine Frage, ob und wann er einen 200 mi-Lauf tatsächlich realisieren wolle, glaubte ich zu hören: „wenn ich (Hubert) im Ruhestand bin und mehr Zeit habe!“ Dürfen wir also mittelfristig mit einem „Taubertal 200“ rechnen oder war dieses Gespräch eine akustische Halluzination, geschuldet meinem Sauerstoffmangel nach Zieleinlauf und Ritterschlag?

Angeblich hätte ich auch zugesagt, 2019 wieder am Start zu sein, um dann eine der „Subdistanzen“ (71 oder 50 km) zu bestreiten, da mir diese Medaillen ja noch fehlen würden und ich unbedingt eine grüne Startnummer bekommen wolle. Denn wer einmal eine Distanz beim Taubertal 100 gewonnen hat (M/W, ich bestimmt nie ;-)) oder drei Mal beim Taubertal 100 gefinished hat (jaaaa!) erhält bei den darauffolgenden Starts auf Lebenszeit eine grüne Startnummer. Das ist eine Ansage und im Vergleich z.B. zum Comrades-Marathon, bei dem ein Normalläufer für den „Green-Numbers-Club“ zehn Mal gefinished haben muss, mal abgesehen vom läuferischen Zustand sowie zeitlichen und finanziellen Einsatz für Südafrika, ein eher moderat realisierbares Ziel.

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Auch den sog. 100-Meilen-Buckle, eine Gürtelschnalle nach amerikanischem Vorbild, erhält jeder Finisher in der möglichen Schlusszeit von 26 Stunden; bei anderen Läufen ist für ähnliche Trophäen eine Cut-Off-Zeit unterhalb der regulären DNF-Zeit ausgewiesen.

Taubertal 100 06./07.102018

http://www.taubertal100.de

  • 50 km: W: 4:44:48 h, M: 3:27:14 h
  • 71 km: W: 6:11:35 h, M: 5:00:46 h
  • 100 km: W: 9:21:55 h, M: 8:08:40 h
  • 100 mi: W: 13:35:31 h, M: 17:55:26 h

(relativ) flach / 241 Ankommer

Reiner